Der bayrische Lehrplan für die 9. und 10. Jahrgangsstufe an Gymnasien und Realschulen bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte zum Thema der solidarischen Wirtschafts- und Lebensweisen. Insbesondere die Fachlehrpläne der Unterrichtsfächer Wirtschaft und Recht, Ethik, Soziallehre und Geographie thematisieren diese Materie. Im Folgenden finden Sie in einer tabellarischen Übersicht den Lehrplanbezug für Realschulen und für Gymnasien.

Der Lehrplanbezug für die 9. Jahrgangsstufe
der Realschule:

Unterrichts-fach

Lernbereich

Kompetenzerwartungen
„Die Schülerinnen und Schüler …“

Ethik

Arbeit und Leistung
in Schule und Beruf

  • „beurteilen den Stellenwert von Arbeit und Leistung für (…) ihren beruflichen Werdegang und übernehmen Verantwortung für ihr Handeln.“

  • „zeigen für das (…) Arbeitsleben erforderliche Werthaltungen, z. B. Respekt, Ehrlichkeit und Zuver-lässigkeit.“

  • „hinterfragen den Stellenwert des Leistungs- und Erfolgsstrebens in unserer Gesellschaft (…).“

Geographie

Landwirtschaft, Er-nährung und Boden

  • „erläutern verschiedene Produktionsfaktoren und Funktionen der Landwirtschaft und unterscheiden grundlegende Produktionsweisen (…).“

  • „reflektieren durch die Betrachtung von europa- oder weltweiten Produktions- und Transportbedingungen ihr eigenes Konsumverhalten, um nachhaltige Handlungsalternativen zu entwickeln.“

Soziallehre

Der demokratische Verfassungsstaat

„analysieren die Bedeutung von Grund- und Menschenrechten für das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft und die freie Entfaltung der Persönlichkeit des Individuums (…).“

Wirtschaft und Recht

Wirtschaftliches Handeln in der Sozi-alen Marktwirtschaft

  • „charakterisieren das ökonomische Prinzip als Möglichkeit, begrenzte Mittel und unbegrenzte Be-dürfnisse in Einklang zu bringen. Dieses Prinzip übertragen sie auf ihr eigenes Konsumverhalten.“

  • „beurteilen die freiheitlichen Bausteine der Sozialen Marktwirtschaft, indem sie die daraus resultierenden Chancen und Risiken für Konsumenten und Produzenten analysieren. Dabei begründen sie insbesondere die Notwendigkeit des nachhaltigen Wirtschaftens.“

Wirtschaft und Recht

Verbraucherschutz und verantwortungs-bewusstes Verbrau-cherverhalten

„bewerten kritisch verschiedene Quellen für Verbraucherinformationen und richten (…) ihr eigenes Konsumverhalten am Prinzip der Nachhaltigkeit aus, indem sie ökonomische, ökologische und soziale Aspekte in ihre Konsumentscheidungen miteinbeziehen.“

Der Lehrplanbezug für die 10. Jahrgangsstufe
der Realschule:

Unterrichts-fach

Lernbereich

Kompetenzerwartungen
„Die Schülerinnen und Schüler …“

Ethik

Gewissen und Ver-antwortung

„sind sich der Bedeutung der Menschenrechte für die Bildung des Gewissens und für den Schutz vor Manipulation bewusst und nutzen ihr „waches Gewissen“, um eine friedvolle und freiheitliche Ge-sellschaft mitzugestalten.“

Sozialkunde

Politische Mitwir-kungsmöglichkeiten

  • „nutzen ihre Kenntnisse über politische Mitwirkungsmöglichkeiten (…)., um deren Chancen und Grenzen zu beurteilen und um die Einsicht in die Notwendigkeit einer aktiven Teilnahme am politischen Prozess zu erhöhen.“

  • „informieren sich anhand aktueller Beispiele über die wechselseitigen Beziehungen zwischen Individuum und globalisierter Welt (z. B. Lebens-/Arbeitsbedingungen in sog. Billiglohnländern, individuelles Kaufverhalten), um ihr eigenes wirtschaftliches Handeln sowie dessen Bedingungen und Folgen zu hinterfragen, zu bewerten und ggf. zu ändern.“

Sozialkunde

Politische, gesell-schaftliche und wirt-schaftliche Hand-lungsfelder

  • „wenden grundlegende ökonomische Modelle (…) auf die aktuelle wirtschaftliche Lage an, um politische Entscheidungen nachzuvollziehen und kritisch zu hinterfragen.“

  • „erkennen Zielkonflikte in der Sozialen Marktwirtschaft, die durch politisches und wirtschaftliches Handeln entstehen (z. B. Umweltschutz vs. Wirtschaftswachstum) und diskutieren mögliche Handlungsalternativen. Dabei vergegenwärtigen sie sich die ethische Dimension dieses Handelns.“

Soziallehre

Lebenskonzepte heute

„erschließen aufgrund von eigenen Erfahrungen und anhand von Fallbeispielen die wichtigsten Merkmale partnerschaftlichen Verhaltens, um diese als Basis eines gelingenden Zusammenlebens zu begreifen.„

Soziallehre

Sozialstaatlichkeit

„identifizieren aus aktuellen Fallbeispielen oder im Rahmen eines Planspiels soziale Risiken im Lebenslauf, um die Verantwortung des Staates für in Not geratene Menschen zu begründen.“

Der Lehrplanbezug für die 9. Jahrgangsstufe
des Gymnasiums:

Unterrichts-fach

Lernbereich

Kompetenzerwartungen
„Die Schülerinnen und Schüler …“

Ethik

Arbeitsethik

  • „beurteilen den Stellenwert von Arbeit im menschlichen Leben, insbesondere auch im Hinblick auf ihren eigenen Lebensentwurf.“

  • „ordnen das Leistungsprinzip in reflektierter Weise in ihre Vorstellungen von einem guten Leben ein (…) und finden eine Balance zwischen Arbeit und anderen Bereichen des Lebens.“

Sozial-praktische Grundbildung

Die natürlichen Le-bensgrundlagen wertschätzen und verantwortungsbe-wusstes Konsumver-halten entwickeln

  • „strukturieren Belastungen der natürlichen Lebensgrundlagen und reflektieren ökologische, gesellschaftliche und politische Auswirkungen.“

  • „reflektieren ihr eigenes Handeln unter ökologischen Gesichtspunkten sowie den Beitrag des Einzel-nen zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und entwickeln dadurch eine wertschätzende Haltung gegenüber Maßnahmen des Umwelt- und Klimaschutzes.“

  • „wägen Konsumverhalten unter Berücksichtigung sowohl ökonomischer wie auch ökologisch-sozialer Gesichtspunkte ab und leiten aus diesen Erkenntnissen eine Orientierung für ihr Alltagshandeln ab.“

  • „bewerten neuere wirtschaftliche Entwicklungen, etwa im Bereich der Produktionsbedingungen, vor dem Hintergrund des Spannungsfelds zwischen Ökologie und Ökonomie.“

  • „erwägen Chancen eines Berufsfelds in Hinblick auf Nachhaltigkeit auf der Basis von Erkenntnissen, die sie im Rahmen einer selbst organisierten Erkundung oder eines Expertengesprächs ermittelt haben, und leiten ggf. eigene berufliche Perspektiven ab.“

Der Lehrplanbezug für die 10. Jahrgangsstufe
des Gymnasiums:

Unterrichts-fach

Lernbereich

Kompetenzerwartungen
„Die Schülerinnen und Schüler …“

Ethik

Wirtschaftsethik

„analysieren aktuelle wirtschaftsethische Probleme und entwickeln eigene Lösungsansätze für wirtschaftsethische Fragestellungen.“

Geographie

Leben in der einen Welt

  • „vergleichen Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Ländern niedrigen Entwicklungsstandes.“

  • „stellen Merkmale und Probleme von Ländern mit niedrigem Entwicklungsstand dar und erwerben so die Einsicht in die Notwendigkeit von Entwicklungszusammenarbeit.“

Wirtschaft und Recht

Unternehmen als Teil von Gesamt-wirtschaft und Ge-sellschaft

„beurteilen anhand konkreter Beispiele unternehmerisches Handeln aus der Perspektive unterschiedlicher Interessengruppen sowie im Hinblick auf die unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft. Dabei ist ihnen auch die Bedeutung von Unternehmen für die Gesellschaft bewusst.“

Wirtschaft und Recht

Ökonomisches Han-deln auf dem Markt

„treffen reflektierte Verbraucherentscheidungen in ökonomischen Knappheitssituationen mit Blick auf persönliche Anreizsysteme und das Prinzip der Nachhaltigkeit. Dabei berücksichtigen sie auch den Einfluss von Werbung, verkaufspsychologischen Maßnahmen sowie verhaltensökonomischer Effekte auf ihr Verbraucherverhalten.“

Quelle: Brauns Julia; Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts (M.A.); „Mensch & Mitwelt vor Profite – Wirtschaft neu denken!“: Konzipierung eines Schulklassenprojekts zum Themenbereich Solidarische Wirtschaftsweisen & Lebensstile auf Grundlage von Schülervorstellungen zur Solidarischen Ökonomie im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung; angelehnt an die Fachlehrpläne des LehrplanPLUS (ISB 2020)